Stadtschützengesellschaft Frauenfeld

Die Schützenhäuser

Wie bereits erwähnt, gehörten zum Schiessplatz ursprünglich lediglich die »Zihlstatt« und die als Schiessstand dienenden kleinen Häuschen. Der Stolz der Schützen war und ist natürlich ein eigenes Schützenhaus. Nach dem Schiessen gehörten und gehören der Umtrunk, die Geselligkeit und die endlosen Diskussionen über erreichte oder verpasste Resultate dazu.

Wann die Frauenfelder Büchsenschützen erstmals im eigenen Schützenhaus tafeln und trinken konnten, lässt sich nicht genau nachweisen. Es muss wohl kurz nach dem Jahr 1523 gewesen sein, denn bereits weniger als 100 Jahre später war der erste Umbau fällig. Das Schützenhaus mit einer einfachen Trinkstube war wichtiger Mittelpunkt des geselligen Lebens. Zur Ausschmückung gehörten nebst farbenfrohen Schützentafeln mit den Namen und Wappen der Vorstands- und Vereinsmitglieder auch Wappenscheiben an den Fenstern – in der Regel waren es Geschenke von Räten und Gästen – und eine Anzahl Stabellen. Nebst gewöhnlichen Holztischen und -bänken gab es einen speziellen Herrentisch, der die gebührliche Beachtung von Standesunterschieden erlaubte. Die älteste der uns gebliebenen Schützentafeln ist die bereits erwähnte von 1592. Diese und weitere Tafeln befinden sich heute im Rathaus Frauenfeld und in unserer Schützenstube im Schollenholz. Die neueste derartige Wappentafel wurde im Dezember 2000 eingeweiht und ist bis und mit den Familienwappen auch der jetzt im Amt stehenden Achterkommissionsmitglieder nachgeführt. Die Anzahl aufgeführter Wappen und Namen lässt dabei auch bei den alten Tafeln auf die jeweilige Stärke der Gesellschaft schliessen.

Was wir heute als Schützenwirt bezeichnen, war damals der Kredenzer. Eine im Vereinsleben überaus wichtige Person. Er war für den Betrieb der Trinkstube verantwortlich, und das Schützenhaus mit dem gesamten Inventar stand unter seiner Obhut. Der Kredenzer war in der Regel für drei Jahre gewählt und wie die Schützenmeister mit einem ganzen Katalog von Pflichten eingedeckt, denen er geflissentlich nachzukommen hatte.

Mit der Aufgabe des Schiessplatzes in der Bleiche wurden am neuen Ort in der Reutenen, mit Schussrichtung gegen Mittag, also gegen das Rüegerholz, ein neuer Schiessplatz und ein Schützenhaus errichtet. Der Bau erfolgte etappenweise, das heisst, die Anlage wurde mit der Zeit immer grösser und wohl auch komfortabler. Schon ab Beginn standen nebst dem Schützenstand auch zwei Kegelbahnen zur Verfügung. Eine eigene Wasserversorgung mit Quellwasser aus dem Rüegerholz gehörte dazu; überschüssiges Wasser wurde dem nebenan liegenden Kloster abgegeben. Später folgte ein »Pavillon« mit einer gedeckten Kegelbahn, und Mitte des 19. Jahrhunderts übernahmen die Stadtschützen eine vom Kantonalschützenverein anlässlich des Kantonalschiessens aufgestellte Baracke, die zukünftig als Bierhütte diente. Die Geselligkeit dürfte wohl schon damals nebst dem Schiessen wegweisend gewesen sein. Der Schiessplatz wurde auch laufend verschönert; man pflanzte Bäume, legte Blumenbeete an, und die ganze Anlage samt Schützenhaus wurde bald einmal zum eigentlichen Festplatz von Frauenfeld!

Höhepunkt in der damaligen Zeit war für den Schiessplatz, das Schützenhaus und damit für die Stadtschützen die Durchführung des Eidgenössischen Schützenfestes im Jahre 1890. 150 Scheiben auf 300 m und 12 Scheiben auf 50 m wurden aufgestellt. Alle bestehenden Gebäude wurden abgebrochen und ein neuer, provisorischer Schiessstand mit einer Länge von 267 m errichtet. Auf dem heutigen Marktplatz entstanden ein zweistöckiger Gabentempel, eine grosse Festhalle und eine Bierhütte. Während 11 Tagen trafen sich 190 Schützenvereine mit 4778 Schützen zum friedlichen Wettkampf und zur Pflege der Kameradschaft.
Nach dem Eidgenössischen Fest wurde anstelle der Festbauten wieder ein »gewöhnlicher« Schiess- und Scheibenstand erstellt. Die Ortsgemeinde baute für die Schützen eine neue Festhütte und stellte auch die ehemalige Bierhütte wieder auf, damit die Stadtschützen auch künftig über eine Schützenstube verfügen konnten. Als die Gesellschaft dann vor der Durchführung des Kantonalschützenfestes im Jahre 1909 stand, wurde die Erweiterung des Scheibenstandes und die Errichtung eines zweistöckigen Schützenhauses geplant. Das benötigte Land für die Verlängerung des Schiesswalles war jedoch nicht zu bekommen, und als sich immer mehr Widerstand gegen die Vergrösserung der Schiessanlage in der Reutenen bemerkbar machte, wurde es für die Stadtschützen Zeit für eine weitere, wohl letzte »Züglete«. Nach Anhörung einer kantonalen Expertenkommission entschloss man sich 1908 zum Neubau im Schollenholz mit 22 Gewehr- und 4 Pistolenscheiben. Die Orts- wie auch die Bürgergemeinde halfen mit Barbeiträgen und dem Überlassen von Waldboden grosszügig mit, den Bau des neuen Schiessplatzes mit Scheibenstand und Schützenhaus zu verwirklichen. Nun war man in der Lage, das Kantonale Schützenfest 1909 termingerecht und erst noch in einer neuen Schiessanlage durchzuführen.Wurde seinerzeit die Schiessanlage wegen der Lärmentwicklung ins Schollenholz verlegt – was offenbar schon damals ein Thema war – erscheint dieser Entscheid aus heutiger Sicht als weitsichtiges Handeln. Das Schützenhaus im Schollenholz ist noch immer am richtigen Ort. Natürlich sind auch wir mit Zuzügern im weiteren Umfeld konfrontiert. Aber durch eine vernünftige Bewirtschaftung unsererseits, sowie gegenseitigem Verständnis und Rücksichtnahme, ist ein Nebeneinander durchaus möglich.

Das Schützenhaus Schollenholz, modernst eingerichtet und sich äusserlich als schöner, wertvoller Bau präsentierend, ist heute mit seiner würdigen Schützenstube zu Recht der Stolz der Stadtschützen. Anfänglich in eher bescheidenem Rahmen gehalten, führten steter Ausbau, laufende Anpassungen an das Sportschiessen und umsichtige Unterhaltsarbeiten zur heutigen umfassenden Schiessanlage mit stattlichem Schützenhaus und ausgebauter Infrastruktur. Während der Kriegsjahre wurde westlich der Anlage ein Kleinkaliberstand angebaut und der damalige Pistolenstand mit 6 modernen Zugscheiben ausgerüstet. Erst 1946 wurde auf den Gewehrscheiben Nr. 1 bis 23 ein elektrisches Läutwerk installiert. Im Jahre 1960, anlässlich der Vorbereitungen auf das Kantonalschützenfest, wurde der Pistolenstand am Westende des Schützenhauses aufgegeben und durch eine 50 m Anlage für Pistolen- und Kleinkaliberbetrieb im östlichen Teil ersetzt. 1964, wieder führten die Stadtschützen das Kantonalschützenfest durch, wurde das Dach über dem westlichen Teil des 300 m Scheibenstandes abgebrochen. Erstmals verfügte das Schollenholz damit über moderne 46 Zugscheiben auf 300 m. 1970 unternahmen es die Stadtschützen, einen Pistolenstand mit automatischen Drehscheiben auf die Distanz 25 m zu erstellen; die erste derartige Schiessanlage in der Ostschweiz.

Der weitere kontinuierliche Ausbau umfasste die Installation der ersten Generation von Elektronikscheiben auf 300 m und später ihren Ersatz durch ein neues und leistungsfähigeres System bei gleichzeitigem Ausbau auf 26 Scheiben. In den Jahren 1990-1991 erfolgte der Bau der topmodernen zweigeschossigen Schiessanlage mit 20 Scheiben für Luftdruckwaffen. Mit besonderer Freude konnten wir den Schützinnen und Schützen an unserem Jubiläumsschiessen im Jahre 1998 die neuesten Um- und Ausbauten zur Verfügung stellen. Die 26 Gewehrscheiben sind neu mit Barcodelesern ausgerüstet, und auf allen Schiesslägern sind modernste Lärmschutztunnels installiert. Der 50 m Pistolen- und Kleinkaliberstand wurde um 2 auf 14 Laufscheiben erweitert, und die Pistolenschützen können ihre Trainings und Wettkämpfe ab damals auf der ersten ständigen 25 m Pistolenanlage der Schweiz mit 10 Elektronikscheiben durchführen. Damit verfügen die Frauenfelder Stadtschützen über eine der modernsten, zweckmässigsten und auch schönsten Schiessanlagen weit und breit; eine Anlage, die die Bedürfnisse aller Waffenarten und Distanzen bestens befriedigt. Der grosse Einsatz der Verantwortlichen und der Mitglieder, die Bereitschaft zur Beschaffung und Bereitstellung der finanziellen Mittel unter Mithilfe von Stadt, Kanton und Bund haben in all den Jahren mitgeholfen, einen »Sportplatz für Schützen« zu realisieren, der dem Schiesssport auch in Zukunft bestens dient.